Tagebuch (Teil 15)

2.6.02
Murphys Gesetz

...lautet bekanntlich: "Wenn ein Fehler auftritt, tritt er so auf, dass der maximale Aufwand zu seiner Behebung notwendig ist."
Teil 2: "Treten mehrere Fehler auf, so tun sie dies in eskalierender Reihenfolge."

Nun, dieses Gesetz gilt auch für meinen Honda:
Wer die eskalierende Inkontinenz des S800-Motors bis hier mitverfolgt hat und den Motor kennt, wird ahnen, was das heisst. Genau, es ist nicht etwa ein Stopfen hinter einem der Motordeckel undicht, nein, das Wasser läuft an den Fussdichtungen der Zylinder drei und vier raus und landet dann naturgemäss in der Ölwanne.

Das ist deshalb schade, weil eine Undichtigkeit hinter dem Front- oder Rückseitendeckel ohne Demontage des Zylinderkopfes hätte repariert werden können. Wie die Dinge nun liegen, muss ich also tatsächlich die Kurbelwelle und die Zylinderlaufbüchsen demontieren.

Was heute geschah
Na, zunächst halt das, was so notwendig ist, um den Motor auszubauen:
Krümmer und Auspuff ab, Kardanwelle raus, sämtliche Flüssigkeiten ablassen, Getriebehalterung lösen, Kühler und Lichtmaschine ausbauen.

Dann kam Stefan mit dem Motorrad aus Aachen und hat beim eigentlichen Ausbau geholfen. Das Getriebe haben wir auch zusammen abgeflanscht. Das Abbauen von Front- und Rückseitendeckel brachte keine Klarheit, alle Stopfen waren scheinbar ok.

Das wollte ich aber genau wissen. Ich wollte sehen, wo Wasser rausläuft. Dazu schliesst man erst mal den Wasserkreislauf am ausgebauten Motor.
Ich habe das so gemacht: Ventildeckel und Wasserpumpe drangelassen und mit einem langen Schlauch den Heizungskreislauf kurzgeschlossen (langer Schlauch von dem kleinen Anschluss an der WaPu zum Heizungshahn oben am Zylinderkopf). Auf den Anschluss der WaPu zum Kühler (dicker Schlauch) montiert man den Originalschlauch, der "kühlerseitig" von einem geeigneten runden Teil verschlossen wird (hier und heute ein Röhrchen von Vitamintabletten). Der dünne Schlauch vom Motorblock zum Kühler wird auch zugemacht (da passt eine alte Zündkerze). Dann entfernt man das Thermostat aus dem Gehäuse und baut das Gehäuse wieder zusammen. Das ist nun der höchste Punkt des Wasserkreislaufes. Auf diesen montiert man den Originalschlauch, natürlich um 90 verdreht, so dass man hier gut Wasser einfüllen kann.

Der Motor ist noch immer komplett zusammengebaut. Nach dem Einfüllen des Wassers konnte man deutlich hören, wie es in die Ölwanne tropft. Pitsch - pitsch - pitsch, mit schöner Regelmässigkeit und erschreckend hoher Frequenz (so ca. 2 pitsch/s). Vorne und hinten, an den immer noch in Verdacht stehenden Deckeln bleibt alles trocken.
Als nächstes also Ölwanne abbauen und da mal nachsehen. Nun wird es schon klarer: genau in der Mitte des Motorblockes tropft Wasser raus. Da ist aber weit und breit kein Stopfen - das sieht schlecht aus und muss näher untersucht werden. Also baue ich das untere Motorgehäuse ab. Nun kann man an der Kurbelwelle vorbei die Enden der Zylinderlaufbuchsen sehen - und genau da kommt das Wasser her. Am dritten Zylinder richtig viel und etwas weniger am vierten Zylinder.

Das ist zwar kein schönes Ergebnis - aber immerhin, es ist eins. Nun weiss ich, was zu tun ist. Morgen geht es dann los. Mal wieder werde ich meinen Motor von ganz tief drinnen sehen

Hier noch die Bilder: